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Die artgerechte Haltung der Europäischen Sumpfschildkröte Emys orbicularis

Unterbringung

Gartenteich für Sumpfschildkröten

Teich-Haltung

Was bei der Anlage eines für die Europäische Sumpfschildkröte geeigneten Gartenteiches zu beachten ist, wurde so gut im entsprechenden, auch online verfügbaren Merkblatt der Schildkröten Interessensgemeinschaft der Schweiz (SIGS) beschrieben, daß es sich erübrigt, es an dieser Stelle zu wiederholen (s. Linkliste).

Als Ergänzung zu dieser Bauanleitung sei nur noch erwähnt, daß eine evtl. Filterung des Teiches den natürlichen Temperaturgradienten zwischen Flachwasser- und Tiefwasserbereichen so wenig wie möglich stören sollte. Die Ansaugstelle für den Filter sollte, vertikal gesehen, nicht tiefer als Teichmitte liegen und die Wasserrückführung möglichst sanft erfolgen. Wird breitflächig über einen Felsstein oder über einen Filtergraben zurückgeführt, kann trotzdem eine ausreichende Sauerstoffanreicherung erzielt werden. Wird das Wasser dagegen an der tiefsten Stelle angesaugt und plätschernd in den Teich zurückgeführt, kommt es zu einer konstanten Vermischung der unterschiedlichen Temperaturbereiche und damit zur  Abkühlung in den Flachwasserzonen. Das entspricht nicht dem natürlichen Biotop von Emys orbicularis und ist damit auch nicht erstrebenswertt. Europäische Sumpfschildkröten sollten sich die ihrer jeweiligen Aktivitätsphase entsprechenden Temperaturen aussuchen können. Bei ausreichend großen Gartenteichen ist keine Filterung notwendig.

Gartenteich für Schildkröten Sumpfschildkröten im Gartenteich
Gartenteich für heimische Sumpfschildkröten und zwei Emys beim Sonnenbad


TIPP >>> Probleme mit Algen im Gartenteich?


TIPP >>> Wenn Sie außer Sumpfschildkröten auch Landschildkröten haben und/oder Katzen zum Problem werden könnten, empfiehlt sich eine dichtbepflanzte umlaufende Sumpfzone mit 5 - 10 cm Wasserstand von etwa 50 cm Breite. Katzen können so nicht direkt am Teich auf Beute lauern und Landschildkröten können trinken aber nicht ertrinken. Diese Sumpfzone kann evtl. getrennt vom übrigen Teich angelegt werden und so als Filtergraben dienen. Eine Trennung vom übrigen Teich hat den Vorteil, daß ausgefilterte Sedimente nicht aufgewirbelt werden und filterndes Teichplankton z.B. Wasserflöhe nicht gefressen werden.


Aquaterrarium für die Übergangszeit

Mindestgröße: (für 2-3 adulte Europäische Sumpfschildkröten) 150cm x 60cm x 50cm, bei Haltung erwachsener Emys Weibchen plus Landteil

Aquaterrarium für Europäische Sumpfschildkröten

Fütterung

Emys frisst Goldfisch

Keine der folgenden Futterkomponenten stellt ein Alleinfutter für Europäische Sumpfschildkröten dar. Nur eine abwechslungsreiche Fütterung ist eine artgerechte Fütterung und hält die Schildkröten dauerhaft gesund, da problematische Bestandteile oder Mangel an lebenswichtigen Komponenten in der einen Futterart durch eine andere kompensiert werden können. Am leichtesten erreicht man das, in dem man sich relativ strikt an ein wöchentliches Futterschema hält. Ein Beispiel hierfür findet sich bei der Anleitung zur Fütterung in separater Schale.

TIPP >>> Europäische Sumpfschildkröten lassen sich mit etwas Geduld und Einfühlungsvermögen an eine Fütterung außerhalb des Aquarium in einer separaten Wasserschale gewöhnen. Der Vorteil dieser Methode ist, man kann genau überprüfen, was einzelne Tiere fressen und keines kann das andere vom Futter abdrängen. Darüber hinaus wirkt sich das ganze insbesondere bei Fischfütterung positiv auf die Wasserqualität aus, da man das verunreinigte Wasser nach der Fütterung wegschütten kann.


Überwinterung / Winterstarre

Korrekt heißt es bei Reptilien Winterstarre oder Hibernation, nicht Winterschlaf. Der jahreszeitliche Rythmus mit Hochtemperaturphasen im Sommer, gemäßigten Übergangszeiten und Kältestarre im Winter koordiniert den gesamten Stoffwechsel und Hormonzyklus der Europäischen Sumpfschildkröte. Er ist damit Voraussetzung für das Gelingen einer Zucht, aber auch für die Gesundheit und das Wohlbefinden des einzelnen Tieres notwendig. Dieser Rythmus muß deshalb auch in der Terrarienhaltung nachvollzogen werden. Für eine echte Winterstarre, die die Schildkröte nicht unnötig Kraft kostet, sollte unbedingt die am Teichboden natürlicherweise herrschende Temperatur von 4°C eingehalten werden, da Europäische Sumpfschildkröten selbst bei relativ tiefen Wassertemperaturen von unter 10 °C noch aktiv sind. Emys der Nominatform überwintern in dafür geeigneten Teichen völlig selbständig. Meist stellen sie schon im Laufe des Septembers die Nahrungsaufnahme ein und tauchen spätestens Anfang Oktober ab. Gegen Ende März/Anfang April sind sie dann meist wieder zu sehen. Eine Überwinterung im Gartenteich ist allerdings riskant, wenn die genaue Emys-Unterart nicht bekannt ist. Die Verhältnisse hier können sich dann sehr deutlich von denen natürlicher Überwinterungsgewässer unterscheiden. Weitere Gefahren bei natürlicher Überwinterung sind Steilwände im Teich. Sie können bei einer, durch die Kälte klammen Sumpfschildkröte zum Ertrinken durch Erschöpfung führen, da die Tiere dann nicht mehr am Boden kriechend die Oberfläche zum Luftholen erreichen können. Darüber hinaus kommt es in kleinen Gartenteichen durch Faulschlamm schneller zu sauerstoffarmen Bedingungen, die der Schildkröte unter Eis keine extrapulmonale Sauerstoffaufnahme über den Darm erlauben.

Ist entweder die Unterart nicht bekannt oder Gartenteich nicht wirklich für eine natürliche Überwinterung einer Europäischen Sumpfschildkröte geeignet, belässt man die Tiere im Teich bis sie von selbst in die Starre fallen und überführt sie im November ins Winterquartier. Hierfür wird am besten ein Container mit kaltem Teichwasser gefüllt, dem keine weiteren Zugaben zugesetzt werden müssen. Der Zustand der Tiere ist gelegentlich zu überprüfen. Bei Problemen auswintern, ansonsten kann die Europäische Sumpfschildkröte bis Mitte März im Winterquartier verbleiben, Jungtiere kann man evtl. früher ins Terrarium überführen.


Zucht

Hält man erwachsene Europäische Sumpfschildkröten artgerecht, ist die Zucht keine große Herausforderung, schließlich handelt es sich bei Emys orbicularis um eine in Mitteleuropa heimische Art. Bei einigen Züchtern gibt es daher auch regelmäßig Naturbruten, ohne jegliche Eingriffe durch den Menschen. Voraussetzung dafür ist eine südexponierte, ganzjährig sonnige Eiablagestelle in der Freilandanlage, an der die Emys-Weibchen an schwül-warmen Abenden im Mai und Juni ihre 5-20 Eier pro Gelege vergraben können. Je nach Witterung und Lokalform sind bis zu drei Gelege pro Saison möglich:

Röntgenbild einer trächtigen Europäischen Sumpfschildkröte

Röntgenbild eines trächtigen Emys-Weibchens

Naturbrut: Belässt man die Eier an Ort und Stelle, schlüpfen die kleinen Europäischen Sumpfschildkröten nach ausreichend warmen Sommern im September oder Oktober. Je nach Witterung verlassen sie die Nisthöhle noch im Herbst oder überwintern in ihr bis zum Frühling. In schneearmen, kalten Wintern kann es aber zu einem Totalverlust der Tiere kommen, obwohl die Schlüpflinge durchaus Minustemperaturen im unteren einstelligen Bereich vertragen, allerdings nur sehr kurzfristig. War schon der Sommer zu kalt, können sich die Tierchen nicht bis zur Schlupfreife entwickeln und sterben dann ebenfalls ab. Aber auch nach dem Schlupf und dem Verlassen der Nisthöhle sind die kleinen Sumpfschildkröten im Gartenteich stark durch Fressfeinde gefährdet, auch durch die eigenen Eltern.

Kunstbrut: Weitaus mehr Nachzuchterfolg ist zu erwarten, wenn man die Eier nach der Ablage vorsichtig ausgräbt, künstlich bebrütet und geschützt aufzieht. Direkt nach der Ablage ist noch keine besondere Handhabung der Eier beim Bergen notwendig. Belässt man sie einige Stunden am Eiablageplatz, sollte man jedoch sicherstellen, dass sie beim Überführen in den Inkubator nicht mehr gedreht werden, da es dadurch zum Absterben der sich bereits in Entwicklung befindlichen Keimscheibe kommen kann. Welche Art von Inkubator man verwendet, ist zweitrangig. Selbst sehr einfache Selbstbauten können erfolgreich sein, etwa eine Styroporkiste mit Heizmatte und Thermostat UT 200. Letztlich kommt es nur darauf an, dass die Eier eine ausreichend lange Zeit auf 27 °C bis 31°C erwärmt werden und nicht austrocknen.

Das Geschlecht des Sumpfschildkröten-Embryos wird wahrscheinlich durch zwei Komponenten festgelegt, durch eine schwache genetische Komponente und durch die Bruttemperatur. Unter natürlichen Bedingungen überwiegt wahrscheinlich die genetische Komponente (Uwe Fritz: "Die Europäische Sumpfschildkröte". 2003, Laurenti Verlag, Bielefeld). Sie kann aber von extremen Bruttemperaturen, zum Beispiel bei Kunstbruten, "überschrieben" werden. Bei konstanten Bruttemperaturen von 27°C - 28°Cwährend der sogenannten thermosensitiven Phase der embryonalen Entwicklung bilden sich überwiegend Männchen, bei Temperaturen von 29°C - 31°C hauptsächlich Weibchen. Bei Kunstbruten im Bereich der Pivotal- bzw. Scheiteltemperatur, also zwischen 28°C und 29°C, bestimmt wahrscheinlich ebenfalls die genetische Komponente das Geschlecht des Embryos. Die angestrebte Bruttemperatur kann konstant gehalten werden, viele Züchter haben aber insbesondere beim Bebrüten mit relativ hohen "Weibchentemperaturen" sehr gute Erfahrungen mit mehrstündigen Nachtabsenkungen auf Zimmertemperatur gemacht. Die kleinen Emys sind dadurch meister besonders vital.

Als Brutsubstrate kommen z.B. Erde, Sand, Vermiculit und Seramis in Frage. Ich verwende inzwischen nur noch die Erde vom Eiablageplatz. Nach der Bergung lasse ich die Eier zwei Tage offen im Inkubator liegen und warte auf das Entstehen weißer Flecke auf der Kalkschale als Zeichen einer erfolgreichen Befruchtung. Sie entstehen durch das Wachstum extraembryonaler Membranen, die die Eischale von innen abdichten. So wird Wasserverlust verhindert, die Kalkschale trocknet an dieser Stelle aus und erscheint dadurch weißer als der noch feuchte Rest.

weiße Flecken an Eiern von Emys orbicularis als Zeichen der Befruchtungunbefruchtete Emys Eier

Befruchtet oder nicht befruchtet? Das ist hier die Frage...
15 Stunden nach der Ablage sind auf dem ersten Foto bereits deutlich die erhofften weißen Flecke zu erkennen. Beim Erst-Gelege eines jungen Weibchens im zweiten Bild zeigen sich dagegen auch nach 36 Stunden leider keine Anzeichen einer Befruchtung.


Die weißen Flecken breiten sich im Laufe der ersten beiden Wochen weiter aus, es entsteht eine charakteristische weiße Binde um das Ei. Diejenigen Eier, an denen sich auch nach 2 Tagen im Inkubator noch keine weißen Flecke zeigen, entferne ich und decke die übrigen Eier mit Brutsubstrat komplett zu. Manche Züchter brüten aber auch die ganze Zeit offen, was allerdings eine entsprechend hohe Luftfeuchtigkeit erfordert. Ein teilweises Eingraben der Eier ist dagegen nicht ratsam, da durch unterschiedliche Feuchtigkeitsverhältnisse Risse in der Schale entstehen können, durch die Keime eindringen können.

Je nach gewählter Bruttemperatur schlüpfen die kleinen Emys orbicularis nach 55 - 70 Tagen. Beim Schlupf sollte man sie - auch wenn es schwer fällt - komplett in Ruhe lassen und nicht ständig beobachten. Sie sind extrem scheu und verlassen das Ei sonst aus Angst vor dem Beobachter bevor der Dottersack komplett resorbiert ist, um sich in Sicherheit zu bringen. Dadurch kann es zu Verletzungen des Dottersackes und damit zu Infektionen kommen. Erst wenn die kleinen Sumpfschildkröten - ungestört - selbst anfangen herumzulaufen, überführt man sie in die Aufzuchtbehälter.

Eine Anleitung zur Aufzucht der kleinen Europäischen Sumpfschildkröten findet sich hier.


Krankheiten

Trotz bester Bedingungen können Europäische Sumpfschildkröten einmal krank werden. Gelegentlich sind sie auch beim Kauf bereits vorgeschädigt, ohne daß man das bemerkt hat. Krankheiten zeigen sich meist durch ungewöhnliches Verhalten beim Sonnen (Sitzenbleiben, wenn andere Schildkröten runterspringen, schiefes Schwimmen oder die Unfähigkeit zu tauchen, Apathie und Appetitlosigkeit). Die Sumpfschildkröte gehört dann zu Tierärzten, die Erfahrung bei der Behandlung von Reptilien haben. Merkt man nämlich Krankheitssymptome, ist es meist schon 5 vor 12! Leider gibt es nur wenige Spezialisten auf diesem Gebiet in Deutschland. Es kursieren einige Tierarztlisten im Internet (siehe auch Linkliste). Diese sind aber keine Garantie, denn sie stellen nur die von niemandem überprüften Empfehlungen anderer Halter dar. Wer sicher gehen will, muß sich an Tierärzte halten, die eine staatlich überprüfte Zusatzausbildung absolviert haben (entweder Tierärzte n´mit Zusatzbezeichnung Reptilien oder Fachtierärzte für Reptilien)

Nekrose bei Europäischer Sumpfschildkröte Verheilte Nekrose bei Sumpfschildkröte
Nekrose am Bauchpanzer einer Emys orbicularis, rechts im verheilten Zustand


Der Besuch bei einem "normalen" Tierarzt ist dagegen meist weniger sinnvoll und gipfelt häufig in einer "Vitamin-Aufbauspritze", die der Europäischen Sumpfschildkröte genausowenig hilft, wie sie einem schwerkranken Menschen helfen würde. Darüberhinaus sind fast alle Tiermedikamente für Säugetiere ausgelegt, Reptilien vertragen aber nicht alle. Der Tierarzt muß also genau wissen, was er einsetzen kann. Vor dem Kauf einer Sumpfschildkröte sollte man sich daher klar werden, daß evtl. stundenlange Anfahrtswege notwendig werden können und auch die Behandlungskosten teilweise saftig ausfallen. Der Anschaffungspreis der Schildkröte stellt einen kleinen Bruchteil der Folgekosten und -mühen dar!


Artenschutz, beim Kaufen bitte beachten:

Die Europäische Sumpfschildkröte, Emys orbicularis, ist nicht im Washingtoner Artenschutz Abkommen aufgeführt, gehört aber nach dem Anhang IVa der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Gemeinschaft von 1992 zu den "streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse". Für wild lebende Sumpfschildkröten gilt daher ein absolutes Tötungs-, Fang-, Handels- und Haltungsverbot (das sog. Besitz- und Vermarktungsverbot), das alle Lebensstadien, also auch Eier, einschließt. Darüberhinaus dürfen weder Ruhe- noch Eiablageplätze zerstört werden. Europäische Sumpfschildkröten, die vor Inkrafttreten dieser Richtlinie gefangen wurden sowie deren Nachzucht, sind davon ausgenommen. Für diese Sumpfschildkröten besteht aber nach dem Bundesartenschutzgesetz eine Anzeigepflicht, d.h. Erwerb und Abgabe müssen unverzüglich unter Vorlage eines Herkunftsnachweises (genaue Angaben über Zahl, Art, Alter, Geschlecht, Herkunft, Standort und Kennzeichen der Tiere) den zuständigen Behörden gemeldet werden (Adressen von Meldebehörden).


Sonstiges


Artenschutzprojekte (externe Links):

Für jeden Halter Europäischer Sumpfschildkröten sollte es eigentlich Ehrensache sein, durch eine Spende für eines der Artenschutzprojekte auch etwas für den Erhalt
der in Deutschland, Österreich und der Schweiz vom Aussterben bedrohten Tierart in der freien Natur zu tun:

Brandenburg
Hessen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz

Österreich

Schweiz



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