
Biotop: In den Hauptverbreitungsgebieten besiedelt E.o. die unterschiedlichsten Gewässer, die manchmal im Sommer völlig austrocknen: Flüsse, Bäche, künstliche Kanäle, die Uferbereiche großer Seen, kleinere Teiche, Tümpel bis hin zu künstlich angelegten Viehtränken und sogar leicht brackige Gewässer im Bereich der Flussmündungen. Bevorzugt werden aber stille oder sehr langsam fließende Gewässer mit üppiger Vegetation und in der Nähe sandiger Gebiete für die Eiablage. Jungtiere bevorzugen stark bewachsenen Verlandungszonen bis 50 cm Wassertiefe.
Home Ranges (Reviergröße): 700m² - 5000m² bis 3 m Tiefe, darüber hinaus Landgänge (z.B. zur Eiablage) bis 4 km, möglicherweise Jahreszeit bedingter Revierwechsel. Für Gewässer in Litauen wurden sommerliche Individuendichten von bis zu einer Sumpfschildkröte pro 20 m² Wasseroberfläche ermittelt.
Ernährung im Habitat: Überwiegend Wirbellose und Amphibienlarven, gelegentlich kranke Wirbeltiere und Aas, Wasser- und Landpflanzen, Früchte.
Größe: Je nach Unterart, meist 13 cm bis 20 cm, seltener bis 23 cm, Weibchen werden größer als Männchen, nördliche Unterarten größer als südliche. In besonders kargen Gegenden sind zwergwüchsige E.o. mit ca. 10 cm - 12 cm SCL bekannt.
Geschlechtsreife: In der Natur meist mit 5-12 Jahren, je nach Vorkommen aber auch bis zu 18 Jahren; Männchen sind früher entwickelt als Weibchen.
Geschlechtsdimorphismus (nicht alle Angaben treffen auf alle Unterarten zu), ab etwa 4.Lebensjahr zu erkennen:
Fortpflanzung: Die Paarungszeit von E.o. schließt sich direkt an die Winterstarre an, wobei die
Männchen früher aktiv werden als die Weibchen und diese gezielt aufsuchen. Sie erkennen die
Auffenthaltsgewässer der Weibchen anhand wasserlöslicher Pheromone, die die Weibchen
während der Paarungszeit abgeben. Sowohl Männchen als auch Weibchen bevorzugen große Partner, was
ihnen einen Reproduktionsvorsprung verspricht.
Nach der Paarung werden 3 - 21 Eier in 1 - 3 Eiablagen gelegt, vorwiegend nachmittags bis in die späten
Abendstunden im Mai/Juni, gelegentlich bis in den Juli; teilweise weit entfernt vom Wohngewässer. Auch sehr
alte Weibchen sind noch am Reproduktionsprozeß beteiligt. Weibchen in kälteren Gebieten legen nur einmal,
dafür größere Gelege. Hier überwintern die Schlüpflinge meist noch im Nest und überstehen dann
kurzfristig Minus-Temperaturen in der Nisthöhle bis zu minus 6 °C.
Schwelltemperatur für die Männchen/Weibchen-Bildung während der Inkubation unter konsten Temperaturbedingungen ist 28,5°C, unter 28°C schlüpfen hauptsächlich Männchen, über 29°C Weibchen. Bei natürlicher Vermehrung im Habitat vor allem bei einheimischen E.o.überwiegen
aber wahrscheinlich andere Ursachen bei der Geschlechtsfestlegung als die reine Bruttemperatur, da es trotz der relativ niedrigen Temperaturen in Deutschland einen deutlichen Weibchenüberhang gibt. Mittlere Inkubationsdauer bei konstanter Schwelltemperatur
ist ca. 62 Tage. Die Größe der Schlüpflinge (E.o.o.) beträgt im Mittel 26mm, 5g
Natürliche Feinde: Vor allem Gelege, Schlüpflinge und Jungtiere werden Opfer von Wildschweinen, Füchsen, Marderhunden, Mardern, Waschbären, Reihern, Möwen, Rabenvögeln und Raubfischen.
