warme Jahreszeit: In geeigneten, voll besonntem und eingezäuntem Gartenteich
mit großen Flachwasserbereichen, aber auch ausreichender Tiefe für eine natürliche Überwinterung, Insel (z.B Baumstamm) zum Sonnen und Landteil mit sandigem
Legehügel für die Eiablage. Für Jungtiere bis etwa 3 Jahre muß eine gegen
natürliche Feinde (Vögel, Katzen, Ratten) gesicherte Übergangslösung im Freiland geschaffen werden. Im
ungesicherten Gartenteich kann es zu Verlusten kommen.
Übergangszeit im Frühjahr: Je nach Unterart evtl. Gartenteich, falls große, sich leicht erwärmende
Flachwasserzonen vorhanden sind; sonst geräumiges, gut strukturiertes Aquaterrarium mit Sonneninsel. Im Herbst sollten
die Tiere bis zum Winterschlaf im Freiland verbleiben. So ist eine optimale Vorbereitung auf die Winterruhe
gewährleistet. Ein erneutes Aufwärmen bringt die natürliche Umstellung unnötig durcheinander.
Winter:
Wenn nicht im Teich natürlich überwintert werden kann, muß ein Raum mit ca. 4 °C zu Verfügung stehen, evtl. im Kühlschrank.
Gartenteich:
Was bei der Anlage eines schildkrötengerechten Gartenteiches zu beachten ist, wurde so gut im entsprechenden, auch
online verfügbaren Merkblatt der Schildkröten Interessensgemeinschaft der Schweiz (SIGS) beschrieben,
daß es sich erübrigt, es an dieser Stelle zu wiederholen (s. Linkliste).
Als Ergänzung zu dieser Bauanleitung sei nur noch erwähnt, daß eine evtl. Filterung des Teiches den
natürlichen Temperaturgradienten zwischen Flachwasser- und Tiefwasserbereichen so wenig wie möglich stören
sollte. Die Ansaugstelle für den Filter sollte, vertikal gesehen, nicht tiefer als Teichmitte liegen und die
Wasserrückführung möglichst sanft erfolgen. Wird breitflächig über einen Felsstein oder über
einen Filtergraben zurückgeführt, kann trotzdem eine ausreichende Sauerstoffanreicherung erzielt werden. Wird das
Wasser dagegen an der tiefsten Stelle angesaugt und plätschernd in den Teich zurückgeführt, kommt es zu einer
konstanten Vermischung der unterschiedlichen Temperaturbereiche und damit zur Abkühlung in den Flachwasserzonen.
Da ist nicht natürlich und damit auch nicht erstrebenswertt. Die Tiere sollten sich die ihrer jeweiligen
Aktivitätsphase entsprechenden Temperaturen aussuchen können.
TIPP >>> Wenn Sie außer Emys auch Landschildkröten haben und/oder Katzen zum Problem werden
könnten, empfiehlt sich eine dichtbepflanzte umlaufende Sumpfzone mit 5 - 10 cm Wasserstand von etwa 50 cm Breite.
Katzen können so nicht direkt am Teich auf Beute lauern und Landschildkröten können trinken aber nicht
ertrinken. Diese Sumpfzone kann evtl. getrennt vom übrigen Teich angelegt werden und so als Filtergraben dienen.
Eine Trennung vom übrigen Teich hat den Vorteil, daß ausgefilterte Sedimente nicht aufgewirbelt werden und
filterndes Teichplankton z.B. Wasserflöhe nicht gefressen werden.
Aquaterrarium für die Übergangszeit:
Mindestgröße: (für 2-3 adulte Tiere) 150cm x 60cm x 50cm, bei Haltung erwachsener Weibchen plus
Landteil
Einrichtung: Viele Wurzeln und Wasserpflanzen als Unterwasser-Verstecke und Rastmöglichkeiten
für die Nacht, vor allem auch direkt unter der Wasseroberfläche. Stabile Plastik- (nicht Seiden-) Pflanzen
sind vorzuziehen, echte Wasserpflanzen überleben meist nicht lange. Darüberhinaus dient ein gut befestigter
Zierkork oder eine Wurzel als Sonneninsel. Als Bodengrund hat sich eine dicke Schicht Fluß- oder Quarzsand bei vielen
Schildkrötenhaltern bestens bewährt. Der Sand bleibt überraschend sauber und lästige Mulmwolken, wie sie
aus blanken Aquarien bekannt sind, entstehen nicht. Spielsand ist weniger sinnvoll, da er häufig sehr lehmig ist und
das Wasser trübt.
Bei Haltung von erwachsenen Weibchen muß auch ohne Zuchtwunsch ein Eiablageplatz vorhanden sein. Sonst kann es zur
möglicherweise tödlich verlaufenden Legenot kommen.
Filterung:
Sehr guter, aber langsam strömender Außenfilter mit größtmöglichem Filtervolumen, evtl. Eigenbau
(Wasserschildkröten sind sehr starke Wasserverschmutzer!) Als Filtermedium hat sich eine Kombination aus Schaumstoff,
Lavabruch und Zeolith bewährt.
Reinigungsintervalle: Ein ausreichend groß dimensionierter Filter sollte nur gereinigt werden, wenn die
Durchflußleistung merklich nachgelassen hat, da bei jeder Reinigung der zum Schadstoffabbau benötigte
Bakterienrasen auf dem Filtermaterial empfindlich gestört wird.
Aus dem gleichen Grund sollte nur ein Teil des Filtermediums ausgetauscht und der Rest ausgewaschen werden.
Sollte das Leitungswasser gechlort sein, was heute aber nur noch wenige Wasserwerke machen, muß man zum Auswaschen
des Filtermediums Aquarienwasser verwenden, da das Chlor des frischen Leitungswassers ebenfalls zum Absterben der
Bakterien führt.
Trotz guter Filterung wird ein etwa 50%er Teilwasserwechsel mit frischem Leitungswasser (ohne Zusätze
von Wasserbehandlungsmitteln) etwa alle 2-4 Wochen fällig, denn die Endstufe des Eiweißabbauprozesses, Nitrat,
wird in normalen Aquarienfiltern nicht entfernt. Ein handelsüblicher Nitrattest gibt Auskunft über die
Nitratbelastung des Wassers. Wieviel Nitrat für Wasserschildkröten unbedenklich ist, ist unter
Schildkrötenhaltern umstritten. Man sollte aber bedenken, daß natürliche Gewässer sehr nitratarm
sind und natürliche Verhältnisse immer anzustreben sind. Für Trinkwasser und Fischaquarien gilt eine
Obergrenze von 50mg/l, ein Wert, der allerdings schwer in Schildkrötenaquarien einzuhalten sein dürfte. Es ist
auch ein häufiger Trugschluß zu glauben, verdunstetes Wasser wieder aufzufüllen komme einem
Wasserwechsel gleich. Es verdunstet nur reines Wasser, die Schadstoffe bleiben zurück und werden beim
Nachfüllen lediglich wieder auf das ursprüngliche Niveau verdünnt. Einige Schadstoffe können
nur durch Wasserwechsel entfernt werden. Der Wasserwechsel sollte aber zur Schonung der Filterbakterien nicht
gleichzeitig mit einem Filterwechsel durchgeführt werden. Es ist auch weder nötig noch ratsam,
sämtlichen Mulm und Algenbewuchs in Becken und Schläuchen zu entfernen, da die eigentliche biologische
Filterung hauptsächlich in der Mikroflora der Mulm- und Schlammschicht von quarium und Filter stattfindet.
Eine Komplettreinigung des Beckens sollte, wenn alles eingefahren ist, nur sehr selten nötig werden. Ein
ständig verschmutztes Becken ist ein Zeichen dafür, daß die Filterung nicht stimmt.
Das gleiche gilt für evtl. auftretende stärkere Gerüche.
Wird das Aquarium nur in den Übergangszeiten betrieben und steht ansonsten leer, weil sich die Tiere im Freiland
befinden, bilden sich keine stabilen Wasserverhältnisse. Die Mikroflora muß jedes Mal neu aufgebaut werden,
ein Prozeß, der länger dauert als die Tiere normalerweise im Haus verbleiben. Dabei ist insbesondere die
anfänglicher Anhäufung des hochgiftigen Nitrits gefährlich, was häufigere Wasserwechsel und
Reinigungsarbeiten nötig macht.
Beleuchtung:
Natürliche Sonne ist durch kein Kunstlicht ersetzbar. Die Tieren sollten deswegen wenigstens die Sommermonate im
Freien verbringen. Bei (überwiegender) Haltung im Aquarium sind die beste Wahl Halogen-Metalldampf-Lampen
(Osram-HQI, besser noch HCI, jeweils Lichtfarbe NDL oder vergleichbare Produkte anderer Hersteller) oder
PowerSun / Active UV Heat 160W
in Verbindung mit ausreichend dimensionierten Tageslicht-Leuchtstoffröhren (z.B Osram Lumilux Daylight).
Bei Leuchtstoffröhren sollte man elektronische Vorschaltgeräte (EVG) verwenden, da die Tiere das Flimmern
der Röhren bei konventionellen Vorschaltgeräten wahrscheinlich stärker wahrnehmen als Menschen.
Werden die Tiere nur für eine kurze Übergangszeit zwischen Winterschlaf und Freiland im Aquarium
gehalten, reicht eine Beleuchtung mit Quecksilberdampflampen (z.B. HQL), die aber aufgrund ihrer schlechteren
Lichtqualität nicht adäquat für eine ganzjährige Beleuchtung sind.
TIPP >>>
Halogen-Metalldampflampen sind keine einfachen Halogen-Baustrahler, wie man sie in Baumärkten bekommt, auch wenn
sie ihnen äußerlich ähneln. Diese eignen sich aber aufgrund des zu hohen Rotanteiles im Lichtspektrum
nicht als alleinige Terrarienbeleuchtung, allenfalls als zusätzliche Wärmestrahler für den
Sonnenplatz.
Bei teuren Leuchtmitteln wie Powersun/Active UV Heat sollte man unbedingt eine Garantie vor dem Kauf ausmachen und
Kassenbon aufheben. Diese Birnen gehen gelegentlich nach kürzester Brenndauer kaputt. Das gilt vor allem für
die 100 W Ausführung, die deshalb auch nicht zu empfehlen ist. Diese Lampen sind außerdem nur in
Keramikfassungen und mit sehr weiten Lampenschirmen zu betreiben, da sie sonst leicht überhitzen, ständig
aus- und einschalten und dann natürlich auch eine kürzere Lebensdauer haben.
Beleuchtungsdauer:
Sie richtet sich der Jahreszeit entsprechend nach der natürlichen Tageslichtzeit. Bei sehr dunkler Aufstellung
des Aquariums im Keller sollte mittels Kombination mehrerer Lampen eine Dämmerung nachvollzogen werden und
eine Glimmlampe zur Orientierung in der Nacht als "Mond" dienen.
UV-Bestrahlung:
Bei mindestens halbjährigem Freilandaufenthalt und abwechslungsreicher, natürlicher Ernährung
während der Übergangszeit kann auf eine zusätzliche UV-Versorgung verzichtet werden. Bei
ganzjähriger Haltung im Aquarium entweder PowerSun 160W (ganztägig) oder OSRAM Vitalux/Radium Sanolux
(etwa 20 min) einsetzen, sonst kann es zu rachitischen Panzer- und Skelettverformungen kommen.
Wassertemperatur:
In der Übergangszeit bei Zimmertemperatur ungeheizt. Werden die Tiere ganzjährig im Aquarium gehalten,
dann sollte die Wassertemperatur im Hochsommer ca. 25-27 °C betragen, die Heizung aber nachts abgestellt werden.
Emys reagieren wie viele Wasserschildkröten nicht sonderlich empfindlich auf Temperaturunterschiede. Wenn sie
sich gesonnt haben und zurück ins Wasser springen, bedeutet das nicht selten eine plötzliche Abkühlung
um mehr als 10 °C.
Lufttemperatur:
Normale Zimmertemperatur, Aquarium nicht zudecken, aber vor Zugluft schützen. Gelegentlich wird gefordert,
daß die Lufttemperatur nicht niedriger als die Wassertemperatur sein darf. Das ist jedoch bei geheiztem Wasser
und ohne Abdeckung nicht zu verwirklichen, da die IR-Strahlung der eingesetzten Lampen die Luft kaum erwärmt,
sondern vor allem die feste Materie aufheizt. Es ist auch nicht erforderlich, da diese Situation in der Natur
regelmäßig vorkommt, nämlich abends und bei Wetterumschwüngen.
Sonnenplatz:
ca. 40°C, Strahlungs-, nicht Lufttemperatur, auf geeigneten Meßfühler achten. Terrarien-Thermometer
mit durchsichtiger Abdeckung verfälschen das Meßergebnis aufgrund von Hitzestau.
Fütterung:
Keine der folgenden Futterkomponenten stellt ein Alleinfutter dar. Nur eine abwechslungsreiche Fütterung
ist eine artgerechte Fütterung und hält die Tiere dauerhaft gesund, da problematische Bestandteile oder
Mangel an lebenswichtigen Komponenten in der einen Futterart durch eine andere kompensiert werden können.
Am leichtesten erreicht man das, in dem man sich relativ strikt an ein wöchentliches Futterschema hält.
Ein Beispiel hierfür findet sich bei der Anleitung zur Fütterung in separater Schale.
Futter:
Wasserschnecken, Wasserinsekten, Regenwürmer, Wiesenplankton, Garnelen, Muscheln, ganze Fische (Stint, Guppys,
Forellen etc.), Rinderleber, Schildkrötenpudding, Trockenfutter für Wasserschildkröten, diverse
Wasserpflanzen, z.B. Wasserlinsen, Wasserhyazinthen, etc.
Futtermenge:
Emys sind vor allem als Jungtiere gierige Fresser und wachsen um so schneller je üppiger das Nahrungsangebot ist,
möglicherweise auch zu einer größeren Endgröße. Aber jedes Größenwachstum
(Panzer-Länge, nicht Gewicht) über 120% im ersten Jahr muß als unnatürlich und potentiell
gesundheitsschädlich angesehen werden. In den Folgejahren sollte die Größenzunahme bedeutend niedriger
liegen. Im ersten Lebensjahr zweimal pro Tag füttern, so viel wie unmittelbar gefressen wird,
später 1x täglich mit mehreren Fastentagen pro Woche. Dies gilt insbesondere im Gartenteich, da hier
Naturnahrung aufgenommen wird. Selbstverständlich könnte die gleiche Nahrungsmenge auch auf kleinere Mahlzeiten
verteilt werden.
Rachitisprophylaxe:
Kalk in Form von Sepia (Tintenfisch-Skelett), gestoßenen Eierschalen oder
gekörntem Calciumcarbonat muß jederzeit zur Verfügung stehen. Einfach ins Wasser geben, die
Tiere bedienen sich nach Bedarf. Damit Kalk von den Tieren verwertet werden kann, ist natürliche oder
künstliche UV-B Strahlung (um 305 nm Wellenlänge) zur körpereigenen Vitamin-D-Synthese nötig.
TIPP >>>
E.o. lassen sich mit etwas Geduld und Einfühlungsvermögen an eine Fütterung außerhalb des Aquarium
in einer separaten Wasserschale gewöhnen. Der Vorteil dieser Methode ist, man kann genau überprüfen,
was einzelne Tiere fressen und keines kann das andere vom Futter abdrängen. Darüber hinaus wirkt sich das
ganze insbesondere bei Fischfütterung positiv auf die Wasserqualität aus, da man das verunreinigte Wasser
nach der Fütterung wegschütten kann.
Winterschlaf:
Korrekt Winterstarre oder Hibernation, der jahreszeitliche Rythmus mit Hochtemperaturphasen im Sommer,
gemäßigten Übergangszeiten und Kältestarre im Winter koordiniert den gesamten Stoffwechsel und
Hormonzyklus der Tiere und ist damit Voraussetzung für das Gelingen einer Zucht, aber auch für die Gesundheit
und das Wohlbefinden des einzelnen Tieres notwendig. Dieser Rythmus muß deshalb auch in der
Terrarienhaltung nachvollzogen werden. Für eine echte Winterstarre, die die Tiere nicht unnötig Kraft kostet,
sollte unbedingt die am Teichboden natürlicherweise herrschende Temperatur von 4°C eingehalten werden,
da Emys selbst bei relativ tiefen Wassertemperaturen von unter 10 °C noch aktiv sind. Eine Überwinterung
im Gartenteich ist allerdings riskant, weil selten die genaue Emys-Unterart bekannt ist und sich außerdem die
Verhältnisse hier meist deutlich von denen natürlicher Überwinterungsgewässer unterscheiden.
Steilwände im Teich können bei vor Kälte klammen Tieren zum Ertrinken durch Erschöpfung führen,
da die Tiere dann nicht mehr am Boden kriechend die Oberfläche zum Luftholen erreichen können. Darüber
hinaus kommt es in den relativ kleinen Gartenteichen durch Faulschlamm schneller zu sauerstoffarmen Bedingungen, die
den Tieren unter Eis keine extrapulmonale Sauerstoffaufnahme über den Darm erlauben.
Am besten belässt man die Tiere im Teich bis sie von selbst in die Starre fallen und überführt sie im
November ins Winterquartier: Container mit kaltem Teichwasser füllen, keine weiteren Zugaben. Der Zustand der
Tiere ist gelegentlich zu überprüfen. Bei Problemen auswintern, ansonsten bis Anfang März belassen,
Jungtiere evtl. früher ins Terrarium überführen.
Krankheiten:
Trotz bester Bedingungen können die Tiere einmal krank werden. Gelegentlich sind sie auch beim
Kauf bereits vorgeschädigt, ohne daß man das bemerkt hat. Krankheiten zeigen sich meist durch ungewöhnliches
Verhalten beim Sonnen (Sitzenbleiben, wenn andere Tiere runterspringen, schiefes Schwimmen oder die Unfähigkeit zu
tauchen, Apathie und Appetitlosigkeit). Die Tiere gehören dann zu Tierärzten, die Erfahrung bei der Behandlung von
Schildkröten, mindestens aber Reptilien im Allgemeinen haben. Merkt man nämlich Krankheitssymptome, ist es meist
schon 5 vor 12! Leider gibt es nur wenige Spezialisten auf diesem Gebiet in Deutschland. Es kursieren einige Tierarztlisten
im Internet (siehe auch Linkliste). Diese sind aber keine Garantie, denn sie stellen nur die von niemandem
überprüften Empfehlungen anderer Halter dar. Wer sicher gehen will, muß sich an die wenigen wirklichen
Kapazitäten halten, wie die Tierkliniken einiger Universitäten oder freie Praxen, die sich auf Exoten spezialisiert
haben.
TIPP >>>
Spezialisten publizieren auf ihren Gebieten!
Der Besuch bei einem "normalen" Tierarzt ist dagegen meist weniger sinnvoll und gipfelt häufig in einer
"Vitamin-Aufbauspritze", die dem Tier genausowenig hilft, wie sie einem schwerkranken Menschen helfen würde.
Darüberhinaus sind fast alle Tiermedikamente für Säugetiere ausgelegt, Reptilien vertragen aber nicht alle.
Der Tierarzt muß also genau wissen, was er einsetzen kann. Vor dem Kauf sollte man sich daher klar werden, daß
evtl. stundenlange Anfahrtswege notwendig werden können und auch die Behandlungskosten teilweise
saftig ausfallen. Der Anschaffungspreis der Tiere stellt einen kleinen Bruchteil der Folgekosten und -mühen dar!
Artenschutz:
Emys orbicularis sind nicht im Washingtoner Artenschutz Abkommen aufgeführt, gehören aber nach dem Anhang IVa der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Gemeinschaft von 1992 zu den "streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse". Für Wildtiere gilt daher ein absolutes Tötungs-, Fang-, Handels- und Haltungsverbot (das sog. Besitz- und Vermarktungsverbot), das alle Lebensstadien, also auch Eier, einschließt. Darüberhinaus dürfen weder Ruhe- noch Eiablageplätze zerstört werden. Tiere, die vor Inkrafttreten dieser Richtlinie gefangen wurden und deren Nachzucht, sind davon ausgenommen. Für diese besteht aber nach dem Bundesartenschutzgesetz eine Anzeigepflicht, d.h. Erwerb und Abgabe müssen unverzüglich unter Vorlage eines Herkunftsnachweises (genaue Angaben über Zahl, Art, Alter, Geschlecht, Herkunft, Standort und Kennzeichen der Tiere) den zuständigen Behörden gemeldet werden.
Sonstiges:
Emys orbicularis sind im Aquarium liebenswerte und sehr zutrauliche Tiere, im Gartenteich aber wie alle
Wasserschildkröten zunächst etwas scheuer, vor allem beim Sonnen. Eine Gewöhnung an Handfütterung
läßt sie zutraulicher werden.
Erwachsene Männchen können untereinander unverträglich sein oder Weibchen ständig so bedrängen,
daß sie separat gehaltenwerden müssen. Deshalb einem Männchen möglichst mehrere Weibchen zugesellen.
Die Vergesellschaftung mit Fischen oder niederen Tieren im Aquarium ist problematisch und geht mit Ausnahme einiger Arten
(z.B. Antennenwelse) meist nicht lange gut. Kleinere Fische und Schnecken werden gefressen oder vertragen die meist
schlechtere Wasserqualität in Schildkrötenbecken nicht. Manche Fische werden auch zur Gefahr für kleinere
Schildkröten. Große Saugschmerlen saugen sich manchmal auf dem Panzer fest, sodaß die Tiere Schwierigkeiten
beim Ausftauchen haben. Im ausreichend großen Gartenteich ist die gemeinsame Haltung von Schildkröten mit
friedlichen Fischen, z.B. Goldfischen, dagegen möglich. Auch Guppies kann man in den Sommermonaten bestens im
vollsonnigen Schildkrötenteich halten. Sie bekommen eine ausgepägte Färbung und vermehren sich gut. Im
Herbst werden sie dann zur leichten Beute für die Emys. Teichfrösche stellen sich ohnehin meist in kürzester
Zeit von selbst ein und ihre Larven, Kaulquappen, stellen das natürlichste Futter unserer Sumpfschildkröten dar.
Die sehr lebhaften und kräftigen Gold-Orfen sollten dagegen nicht eingesetzt werden, da sie zum Problem für
Wasserschildkröten vor allem bei der Fütterung werden können und auch Kois eignen sich aufgrund ihrer
Endgröße nicht für die gemeinsame Haltung mit Emys.
Bis vor wenigen Jahren galt Emys orbicularis als monotypische Art mit sehr großem Verbreitungsgebiet, inzwischen
wurden 13 Unterarten klassifiziert, die allerdings für den Laien schwer zu bestimmen sind. Leider sind
wegen der späten Klassifizierung viele Unterart-Hybriden (Mischlinge) entstanden. Daher beim Erwerb nach Unterart
oder Herkunft der Elterntiere fragen. Nachweislich reinen Unterarten den Vorzug geben und diese auch rein erhalten.
.
Für jeden Emys-Halter sollte es eigentlich Ehrensache sein,
oder einer Spende für eines der Artenschutzprojekte auch etwas für den Erhalt
der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Tierart in der freien Natur zu tun: